Tiermedizinische Entwicklungshilfe - ein Reisebericht

Dr. med. vet. P. Müller • March 14, 2026

Diverse Strassenhunde in den Philippinen


Die Philippinen mit ihren tausenden von Inseln, unglaublicher Unterwasserwelt, zuverlässigen Windsystemen und ausnehmend freundlichen und herzlichen Einwohnern sind eine der Lieblingsdestinationen des Autors - nicht zuletzt, weil auch in entlegenen Gebieten viele Filipinos etwas Englisch sprechen und eine Kommunikation auch ohne Google Translator möglich ist.

Zum dritten Mal verbringen wir entsprechend einige Wochen in diesem riesigen, 13 Flugstunden entfernen Land. Die Wassersport-Bedingungen sind ideal - lauwarmes Wasser mit guter Unterwassersicht und ein stetiger "Amihan", welcher mit 15 bis 25 Knoten aus Nordost weht, ermöglichen viele schöne Tauchgänge und Sessions auf dem Kitesurf-Brett.

Die Philippinen sind ein Schwellenland mit Licht und Schatten - in der Hauptstadt finden sich gigantische, luxuriöse Einkaufszentren mit Läden von Lacoste & Co., währenddem ganze Familien auf einem Pappkartonstück unter einem Autobahnviadukt in Manila leben. Der monatliche Medianlohn beträgt 20'000 Pesos - etwa 270 Franken.

Wie in vielen Ländern gilt auch hier: Wenn es den Menschen wirtschaftlich schlecht geht, ist es auch um das Wohl der Tiere nicht gut bestellt. Die Philippinen haben ein grosses Strassenhundeproblem - die mageren und häufig kranken Tiere sind ein alltägliches Bild. Sie stellen für die Bevölkerung des Inselreiches ein gesundheitliches Risiko dar: Jedes Jahr werden etwa 4 Millionen Bissvorfälle registriert, und etwa 400 Filipinos sterben jährlich an der hier verbreiteten Tollwut. Entsprechend sieht man in jeder grösseren Ortschaft "Animal Bite Treatment Centers" - hier werden die Bissopfer behandelt und erhalten eine passive Immunisierung, um das schlimmste zu verhüten: Vergeht zuviel Zeit zwischen dem Biss durch ein tollwütiges Tier und der Behandlung mit Immunglobulinen, stirbt der Patient. Die Regierung initiiert entsprechend auch Tollwut-Impfkampagnen bei den Strassenhunden und subventioniert Hundehalter, welche ihre Tiere gegen Tollwut impfen lassen.

Eine organisierte staatliche Gesundheitsbetreuung der Hunde existiert allerdings nicht; medizinische Hilfe wird allenfalls und sporadisch durch in- und ausländische NGOS sowie lokale Tierärzte geleistet. Der Staat unterstützt Kastrationsaktionen der NGOS und Tierärzte finanziell. Angesichts der grossen Zahl der Strassenhunde und den schweren Krankheitsbildern reichen die verfügbaren Ressourcen an Geld und Personal aber natürlich keineswegs.


Omnipräsente Räude

Viele der Hunde leiden unter dem Befall mit Sarkoptes-Milben. Die hochansteckende Räude führt zu einem massiven Juckreiz mit verheerenden Hautschäden, die Tiere werden schwächer, fressen nicht mehr und sterben schlussendlich am Parasitenbefall.

Gegen die Räudemilben gibt es inzwischen extrem gut wirksame Medikamente - die Wirkstoffe der Isoxazolin-Gruppe (z.B. Fluralaner, Sarolaner und Afoxolaner) heilen das Tier mit einer einzigen oralen Dosen in praktisch 100% der Fälle. In der Schweiz werden die Medikamente hauptsächlich zur Prophylaxe von Floh- und Zeckenbefall eingesetzt.

Kurz nach meiner Ankunft suche ich eine lokale Tierärztin in Caticlan auf der Insel Panay auf, um mich mit dem Medikament einzudecken. Ich kaufe die grössten verfügbaren Tabletten und halbiere sie - so kann ich möglichst viele Tiere unter überschaubaren Kosten behandeln. Obwohl das Medikament hier 4x günstiger als in der Schweiz ist, kostet die Behandlung mit 800 Pesos den Tageslohn eines durchschnittlichen Filipinos.

Kranke Kandidaten treffe ich genügend an, aber die Verabreichung der Tabletten erweist sich erstaunlicherweise als schwieriger als angenommen. Nicht wenige der ausgemergelten Tiere sortieren die Kautablette fein säuberlich aus dem verabreichten Brötchen heraus und lassen das lebensrettende Medikament auf die Strasse fallen. Mithiilfe der Locals, welche etwas Fisch beisteuern, klappt die Verabreichung dann aber jeweils doch gut. Die Zuschauer sind erstaunt, dass die Krankheit nicht wie vermutet durch schlechte Ernährung entsteht und sogar gut behandelbar ist - obwohl sie nicht Besitzer der Tiere sind, ist ihre Dankbarkeit für die unerwartete Behandlung gross.


Besuch bei Raymond Lu, DVM

Während der Erkundung der Insel Siquijor werden wir auf das Schild einer Tierarztpraxis aufmerksam. Wir besuchen die Klinik spontan, kaufen weitere Tabletten gegen Räude und sprechen mit dem Tierarzt: Seit 6 Jahren behandelt Raymond Lu in seiner "Pet Bros Vet Clinic & Grooming Salon" Tiere. Neben den Schützlingen von zahlungsfähigen Tierbesitzern kümmert er sich auch mit seinen persönlichen, bescheidenen Mitteln um streunende Hunde und Katzen und nimmt an Kastrationsaktionen und Impfkampagnen teil, welche von der lokalen Regierung unterstützt werden.

Die Bedingungen in der Praxis sind für unseren Standard extrem simpel und hygienisch fragwürdig - der Enthusiasmus von Raymond aber riesig und ansteckend. Ich erzähle ihm, wie meine tägliche Arbeit in der Schweiz aussieht - von Ultraschallgeräten, Inhalationsnarkosen, Videoendoskopie und Dentalröntgen kann Raymond nur träumen, und mich beschleicht während des Gesprächs wie häufig während meinen Reisen in armen Ländern ein schlechtes Gewissen. Welch ein Privileg, in der reichen Schweiz geboren zu sein, und meinen Beruf unter diesen Umständen ausführen zu dürfen!


Und nun?

Das Reisen in arme Länder führt einem vor Augen, wie unglaublich schön wir und unsere Tiere es in der sicheren, reichen Schweiz haben. Als Tierarzt betrifft mich das Schicksal all dieser Hunde sehr. Gerne möchte man diesen weniger privilegierten Vierbeinern vor Ort helfen, und das Wissen, dass meine Tabletten ein Dutzend Hunde von einer furchtbaren Krankheit befreien und vorerst wohl das Leben retten werden, fühlt sich gut an. Allerdings ist dies auch nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein.

Ich bespreche mich mit Raymond und erzähle ihm von meinen "Fällen des Monats", dem Spendenkonto unserer Praxis, und dass ich versuchen möchte, ihm und seiner Arbeit über diesen Kanal zu helfen. Er schreibt mir seine Bankverbindung auf - mittels meiner App der Onlinebank "Wise" trifft meine erste Spende in Minutenschnelle und praktisch ohne zusätzliche Kosten in philippinschen Pesos auf dem Konto des verblüfften Raymond ein.


Ich verspreche ihm, diesen nächsten "Fall des Monats" über ihn und die philippinischen Strassenhunde zu schreiben. Möglicherweise finden sich so Spenderinnen und Spender, welche wünschen, dass ihr Beitrag vollumfänglich vor Ort eingesetzt wird und nicht in Personalkosten oder Werbeaufwand einer grösseren Organisation versickert. Ich bin überzeugt, dass Raymond mit Spendegeldern sorgfältig, gewissenhaft und im Sinne der Spender umgehen wird. Jeder noch so kleine Betrag wird hier Gutes bewirken können.


Spendemöglichkeiten und Information zu Raymond Lu und seiner "Pet Bros Vet Clinic" auf Siquijor

Die Facebook-Seite von Raymond's Praxis findet sich unter https://www.facebook.com/petbrosvc


Bankinformationen für Spenden via eine Online-Bank (Wise, Revolut) direkt auf ein philippinisches Konto in PHP:

  • Name des Kontoinhabers: Pet Bros Vet Clinic
  • Bank: Bank of the Philippine Islands (BPI)
    Kontonummer: 9499278885
  • e-Mail-Adresse: luraym06(at)gmail.com
  • Adresse: Siquijor, Philippines


Wir nehmen Spenden auch gerne via unser Spendenkonto (Postfinance, IBAN CH62 0900 0000 3129 5236 1) mit dem Vermerk "Spende Philippinen" entgegen - ganz herzlichen Dank!

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet

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