Retronasaler Fremdkörper bei einem Hund

Dr. med. vet. P. Müller • June 1, 2026

FLOKI, Malteser, männlich-kastriert, 4 Jahre alt


Floki hat am Tag vor seiner Vorstellung bei uns viel Gras gefressen und anschliessend gehustet sowie viel Gras und Schleim erbrochen. Seither zeigt er ein ständiges Lufteinsaugen durch die Nase ("Reverse Sneezing") und nächtliches Schnarchen. Der klinische Untersuch ist weitgehend unauffällig.

Obwohl bei kleinen Hunderassen das Reverse Sneezing ein häufiges und harmloses Symptom einer Reizung des Nasen-Rachenraumes darstellt, scheint die Vorgeschichte doch etwas verdächtig. Könnte es sein, dass bei Floki ein Grashalm im Rachen steckengeblieben ist? Beim Hund ist dieses Problem im Gegensatz zur Katze sehr selten; nichtsdestotrotz bestellen wir Floki zur Sicherheit am nächsten Tag nüchtern in die Praxis, um ihn in Narkose zu untersuchen.


Untersuch in Narkose

Die Rachenmandeln von Floki sind etwas vergrössert und etwas gerötet, was aber die Symptome nicht erklärt. Auch die Rachengegend und der Kehlkopf sind unauffällig. Auch wenn das weiche Gaumensegel mit einem Kastrationshäkchen nach vorne gezogen wird, ist kein Fremdkörper sichtbar. Nun kommt unser neues, kleine, flexible Videoendoskop zum Einsatz: Die Optik wird in den Rachenraum vorgeschoben und die Spitze mit der Kamera anschliessend um 180° gebogen, um von hinten in die Nasenhöhle zu sehen. Und siehe da: Aufgrund des vielen Schleims etwas verschwommen ist aber doch ein Grashalm in der hinteren Nasenhöhle zu sehen! Eine kleine, flexible Zange wird durch den Arbeitskanal in die Nasenhöhle vorgeschoben. Der Halm kann damit gleich im ersten Versuch gepackt und samt Endoskop vorsichtig aus dem Nasen-Rachenraum gezogen werden. Anschliessend wird die hintere Nasenhöhle nochmals abgesucht, um sicherzustellen, dass sich hier kein weiterer Fremdkörper versteckt. Floki erhält ein Entzündungshemmer, wird aus der Narkose geweckt und nach Hause entlassen.

In der Folge verschwinden die Symptome innert kurzer Zeit vollständig.


Wissenschaftliches

Fremdkörper können beim Tier an den unmöglichsten Stellen gefunden werden. Katzen, welche nach Konsum von Gräsern einen Fremdkörper im Rachen aufweisen, werden uns häufig vorgestellt. Typisch ist hier ein akutes Auftreten von leerem Schlucken, Würgen und Speicheln bei einer Katze mit Freigang. Wird das Tier schnellstmöglich vorgestellt, kann der Übeltäter in der Regel relativ problemlos in einer kurzen Narkose entfernt werden (siehe auch diesen Fall des Monats). Wird länger zugewartet, kann der Grashalm in der Nasenhöhle immer weiter nach vorne wandern und so mit konventionellen Methoden nicht mehr erreichbar sein. Mit unserem kleinen, neuen, flexiblen Endoskop kann quasi "von hinten her" (retrograd) in die Nasenhöhle geschaut werden, so dass auch weit vorne liegende Gräser erkannt werden können.

Hunde mit nasalen Fremdkörpern sind eher selten - in der Regel handelt es sich hier um Pflanzenrispen, welche von vorne in ein Nasenloch gelangt sind und einen sehr intensiven Niesreflex auslösen. Diese Fremdkörper müssen über eine Nasenspiegelung "von vorne" (antegrad) erkannt und entfernt werden. 

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet

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