Elektrochemotherapie
Murphy, Maine Coon, männlich-kastriert, 14 Jahre alt
Seit längerer Zeit weist Murphy eine Veränderung an der Nase auf. Der Nasenspiegel links ist von einer Kruste bedeckt; nach deren Entfernung beginnt die zarte Haut sofort zu bluten. Verletzungen in dieser Gegend heilen schlecht ab, weil sie von der Katze ständig beleckt werden; entsprechend sind wir vorerst nicht besorgt, als die Wunde nicht zügig abheilt. Da die Veränderung aber immer wieder blutet und nicht verschwindet, scheint die Theorie einer Verletzung immer unwahrscheinlicher. Wir entscheiden uns zusammen mit den Besitzern zur Überweisung an eine Dermatologin, damit weitere Untersuchungen durchgeführt werden können.
Diagnose
Die Dermatologin entnimmt in Narkose eine winzige Gewebeprobe - aufgrund der starken Blutungstendenz des Gewebes und dem durch Lecken erschwerten Heilvorgang kein einfaches Unterfangen.
Der Gewebebefund ist bestürzend: Murphy leidet an einem Hämangiosarkom - ein bösartiger Tumor aus Gefässzellen, welcher v.A. in Organen wie Milz, Leber und Herz, aber auch in der Haut entstehen kann.

Therapie
Eine chirurgische Entfernung des Tumors ist technisch schwierig.
In einem ersten Diagnoseschritt stellen wir mittels Bruströntgen und Bauchultraschall sicher, dass Murphy keine weiteren Krebsherde aufweist. Dann wird Murphy an eine Onkologin (Krebsspezialistin) überwiesen, um eine sogenannte Elektrochemotherapie durchzuführen.
Weiterer Verlauf
In der Folge heilt die Veränderung sehr schön ab. 2 Monate nach der Therapie ist vom Krebs ausser etwas Narbengewebe keine Spur mehr zu sehen.
Wissenschaftliches
Bei der Elektrochemotherapie injiziert die Onkologin in Narkose ein Krebsmedikament (Bleomycin) intravenös oder direkt in das Tumorgewebe. Das veränderte Gewebe wird dann mit elektrischen Impulsen behandelt (sogenannte Elektro-Poration), durch welche die Krebszellen das Chemotherapeutikum in grösseren Mengen aufnehmen und dadurch zuverlässiger absterben. Die Methode ist für eine Vielzahl von Hauttumoren geeignet und wird insbesondere in Situationen eingesetzt, bei welchen eine chirurgische Entfernung schwierig oder unmöglich ist.
© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet



