Nasenfremdkörper

Dr. med. vet. P. Müller • July 1, 2012

LESLIE, Devon Rex, männlich-kastriert, 11 Jahre alt


Die Katze wird uns vorgestellt, weil sie seit dem vorigen Abend sehr häufig niest. Auch ist der Appetit vermindert und der Kater erscheint ruhiger als gewohnt. "Leslie" geniesst bei seinen Besitzern freien Auslauf.


Untersuchung

Schon auf den ersten Blick ist ersichtlich, was die Niesanfälle von "Leslie" verursacht: Aus dem rechten Nasenloch ragt ein Grashalm! Um zu vermeiden, dass sich der Kater während der Entfernung des Fremdkörpers wehrt und so ein Abreissen des Halmes riskiert wird, erhält "Leslie" eine leichte Narkose.


Therapie und weiterer Verlauf

Vorsichtig wird mit einer Fremdkörperzange der Grashalm aus der rechten Nasenhöhle gezogen - er ist etwa 7 Zentimeter lang. Um den entstandenen Infekt der Nasenschleimhaut zu bekämpfen, wird ein Antibiotikum verabreicht und der Kater wird nach Hause entlassen.


Wissenschaftliches

Fremdkörper in Form von Grashalmen sind im Nasen/Rachenraum bei Katzen relativ häufig. Beim Fressen von Gras können sich Halme, insbesondere wenn sie feine Widerhäkchen aufweisen, im Rachenraum verkeilen. Das Tier zeigt dabei akut ein Würgen, Zungenschlagen und manchmal vermehrtes Speicheln. Wird dieses Stadium vom Besitzer bemerkt, kann der Fremdkörper unter Sedation mittels Fremdkörperzange aus dem Rachenraum entfernt werden. 

Geht die "Rachenphase" des Fremdkörpers unbemerkt vorüber, kann sich der Grashalm entsprechend der Richtung der feinen Widerhäkchen in die Nasenhöhle begeben und durch Niesen immer weiter in Richtung Nasenloch bewegt werden. Typische Symptome in diesem Fall sind neben ständigem Niesen auch ein sich mit der Zeit entwickelnder einseitiger eitriger oder blutiger Nasenausfluss. Idealerweise bewegt sich der Fremdkörper ohne grossen Widerstand durch die Nasenpassage und erscheint dann im Nasenloch, wo er mit geringem Aufwand entfernt werden kann. Verkeilt sich der Grashalm aber in der Nasenhöhle, muss er mittels Nasenspiegelung gesucht und entfernt werden - was nicht immer einfach ist, weil wegen der Enge der Nasenpassage häufig nicht die komplette Nasenhöhle untersucht werden kann.

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet

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