Wirbelfraktur

Dr. med. vet. P. Müller • July 1, 2026

Patschi, Hauskatze, männlich, 7 Monate alt


Patschi ist vom gestrigen Streifzug mit starker Lahmheit am rechten Hinterbein zurückgekehrt. Obwohl er am Morgen der Vorstellung gefressen und Kot abgesetzt hat, scheint er im Allgemeinbefinden reduziert.
Die Lahmheit lässt sich beim Untersuch nicht nachvollziehen, da die Katze sich nicht zum Gehen animieren lässt. Die Hinterbeine erscheinen beim Untersuch unversehrt und zeigen keine neurologischen Ausfälle, aber die Katze ist im Becken/Rückenbereich diffus schmerzhaft.


Röntgen

Wir befürchten, dass der junge Kater einen Unfall gehabt hat - Frakturen im Beckenbereich sind gerade bei Autounfällen recht häufig und können zu den beobachteten Symptomen führen. Da bei Unfällen auch die Lunge, das Zwerchfell und innere Organe beschädigt werden können, führen wir ein "Katzogramm" durch, auf dem das ganze Tier abgebildet wird.
Im Röntgen stellt sich heraus, dass die inneren Organe und das Becken unversehrt ist - Patschi hat sich aber eine Fraktur im 6 Lendenwirbel zugezogen! Der hintere Bereich des Wirbelkörbers ist durch Beschädigung der noch offenen Wachstumszone des Wirbelkörpers leicht gegen gegen unten verschoben - eine sehr unübliche Verletzung.


Therapie

Neben Schmerzen kann eine Wirbelfraktur auch schwere neurologische Störungen verursachen - neben einer Querschnittlähmung können auch die Funktion von Blase und Darm gestört sein. Für den Besitzer kommen weitergehende Untersuchungen (MRT) und Therapien (chirurgische Intervention) nicht in Frage. Da die Katze kürzlich normal Kot abgesetzt hat, gehen wir davon aus, dass auch der Urinabsatz klappen könnte. Wir versorgen die Katze mit Schmerzmitteln und verordnen strikte Käfigruhe um eine weitere Verschiebung der Fraktur zu verhindern. Der Besitzer leiht entsprechend einer unserer zusammenklappbaren Käfige aus und stellt Patschi am nächsten Morgen zur Kontrolle vor.


Weiterer Verlauf

Am nächsten Morgen geht es der Katze schon viel besser. Sie zeigt praktisch keine Lahmheit mehr und hat zu Hause normal Kot und Urin abgesetzt; auch der Appetit ist gut.

Nach einem Monat Käfigruhe darf sich Patschi noch 2-3 Wochen in der Wohnung aufhalten und anschliessend wieder Freigang geniessen - er ist lahmheits- und schmerzfrei, die Fraktur ist verheilt.


Wissenschaftliches

Wirbelfrakturen sind beim Kleintier glücklicherweise selten und meist durch massives Trauma (Autounfälle, Sturz aus grosser Höhe) bedingt. Bei Jungtieren ist bei Frakturen häufig eine Wachstumszone (Epiphysenfuge) betroffen - dadurch, dass diese aus Knorpelgewebe besteht, stellt sie eine Schwachstelle dar. Nach Abschluss des Körperwachstums (ca 1 Jahr Alter) schliesst sich die Epiphysenfuge und wird so widerstandsfähig wie der restliche Knochen.

Patschi hatte Glück, dass die Fraktur nur wenig verschoben war und so das Rückenmark nicht gequetscht wurde. So blieben massive Folgeschäden (fehlende Blasen-/Darmkontrolle, Querschnittlähmung) aus.

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet

Letzte Beiträge

By Dr. med. vet. P. Müller June 1, 2026
FLOKI, Malteser, männlich-kastriert, 4 Jahre alt
By Dr. med. vet. P. Müller May 1, 2026
MURPHY, Maine Coon, männlich-kastriert, 14 Jahre alt
By Dr. med. vet. P. Müller April 1, 2026
MAYLO, Grosser Schweizer Sennenhund, männlich, 8 Jahre alt
Show More