Magenbezoar
ROCKY, Heilige Birma, männlich-kastriert, 5 Jahre alt
Innert der letzten 2 Monate musste Rocky zweimal wegen akuten, schweren Erbrechens und Appetitverlust hospitalisiert werden. Nach mehrmaligem Erbrechen fand sich dann jeweils auch etwas Blut im Erbrochenen. Nachdem bei der ersten Episode ausschliesslich symptomatisch therapiert worden war (Infusion, Medikamente gegen Erbrechen), wurde bei der zweiten Episode als erster Abklärungsschritt eine Blutuntersuchung durchgeführt, welche unauffällige Blutwerte zutage förderte. Obwohl es der Katze nach kurzer Zeit wieder besser ging, entschlossen sich die Besitzer für einen weiteren Untersuchungsschritt - eine Magenspiegelung.
Weitere Untersuchung: Gastroskopie
Das Tier wird schonend narkotisiert. Über das Maul wird der Endoskopschlauch in die Speiseröhre und von dort weiter in den Magen vorgeschoben. Auf dem Monitor wird ersichtlich, dass sich, obwohl das Tier über Nacht gefastet worden war, im Magen festes Material und etwas Flüssigkeit befindet. Das feste Material stellt sich als grosses Haarknäuel, ein Bezoar, heraus.
Mit einer Greifzange wird versucht, den Bezoar durch den Mageneingang und über die Speiseröhre nach draussen zu ziehen. Aufgrund der Grösse misslingt der Durchgang durch den starken Schliessmuskel mehrmals; schlussendlich kanan der Haarknäuel aber doch als Ganzes ans Tageslicht befördert werden.
Vorsichtshalber werden nach der Entfernung des Fremdkörpers doch noch Gewebeproben des Magens entnommen; die Gewebeuntersuchung liefert aber unauffällige Resultate.


Wissenschaftliches
Nagetiere sind heikle Patienten, wenn es um Narkosen geht.
Ihr Kreislauf ist im Vergleich zu Hunden und Katzen recht labil. Wenn ein Hund oder eine Katze während der Narkose aufhört zu atmen, kann das Tier über den gelegten Luftröhrenschlauch problemlos beatmet werden, was das Eintreten eines Herzstillstandes verhindern kann. Bei einem Herzstillstand können zudem über einen Venenkatheter stimulierende Medikamente injiziert werden. Beide Vorgehen sind bei Kleinnagern aus anatomischen Gründen kaum möglich, weshalb ein Atemstillstand meist zum Tod des Tieres führt. Bei "Tüpfli" war sicherlich auch der Umstand, dass die Maus mit gut 2 Jahren schon ein älteres Tier war, ein weiterer Faktor, welche die Wahrscheinlichkeit eines Narkosezwischenfalles ansteigen liess.

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet



