Knochenkrebs bei einer Katze
LUNA, Europäische Kurzhaarkatze, weiblich-kastriert, 15 Jahre alt
Die Besitzerin von Luna hat bemerkt, dass die Katze seit kurzer Zeit hinten rechts lahmt, ansonsten geht es der Katze gut. Vielleicht hat sich das Tier wie vor einem Jahr mit einer anderen Katze gestritten und einen schmerzhaften Bissabszess entwickelt?

Untersuchung und weitere Abklärungen
Luna hat seit dem letzten Besuch deutlich Gewicht verloren. Im Bereich der Innenseite des rechten Knies lässt sich eine gut kastaniengrosse, harte, schmerzhafte Schwellung ertasten, der restliche Untersuch entspricht dem fortgeschrittenen Alter der Katze. Besorgt fertigen wir Röntgen des Knies an, welche den dringenden Verdacht eines Krebsgeschehens aufkommen lassen: Im Bereich des Schienbeinkopfes findet sich eine Weichteil-Masse; der Knochen des Schienbeinkopfes ist stellenweise aufgelöst und an anderen Stellen hat sich neuer Knochen gebildet.

In den zusätzlich angefertigten Lungenröntgen finden sich glücklicherweise keine Hinweise auf Ableger, auch in der Blutuntersuchung sind keine grösseren Probleme feststellbar. Zusammen mit der Besitzerin entscheiden wir uns nach etwas Bedenkzeit zur Amputation des rechten Hinterbeins.
Weiterer Verlauf
Am Tag der Operation berichtet uns die Besitzerin, dass die Katze das Bein nun überhaupt nicht mehr belaste, ansonsten aber wohlauf sein. Wir schicken das amputierte Bein zur Gewebeuntersuchung ein - das Labor bestätigt, dass es sich um einen bösartigen Knochentumor handelt. Der Pathologe sieht aber glücklicherweise keine offensichtliche Hinweise darauf, dass sich schon Metastasen in die Blut- und Lymphgefässe abgesetzt haben.
Luna übersteht die Operation sehr gut; die Besitzerin berichtet beim Fädenziehen, dass die Katze auf drei Beinen sehr aktiv ist und problemlos herumrennt.

Wissenschaftliches
Osteosarkome sind bösartige Tumoren, welche aus Knochengewebe entstehen. Sie sind bei Katzen eher selten; bei Hunden sind v.A. Riesenrassen wie Deutsche Doggen, Irish Wolfshounds oder grosse Schweizer Sennenhunde betroffen. Bei Hunden bilden sich die Tumoren meist in den Knochen nahe des Kniegelenks (oberes Schienbein und unterer Oberschenkelknochen) sowie in den Knochen entfernt des Ellbogens (oberer Oberarmknochen, untere Unterarmknochen).
Osteosarkome sind meistens sehr schmerzhaft; eine Lahmheit des betroffenen Beins ist denn auch meist das erste Symptom, welches den Besitzern auffällt. Der Krebs ist hochaggressiv und bildet schnell Ableger in die Lunge, welche die Prognose stark verschlechtern.
Bei Luna fanden sich zum Glück im Gewebe und in den Lungenröntgen keine Hinweise auf Metastasierung; allerdings ist nicht auszuschliessen, dass eine solche schon stattgefunden hat - eine einzige Zelle reicht, um Tochtergeschwulste an einer anderen Stelle entstehen zu lassen.
Die Amputation einer Gliedmasse ist ein Entscheid, welche vielen Besitzern schwerfällt - der Anblick und der Gedanke eines entfernten Beines kann belastend sein. Allerdings kommen gerade Katzen auf drei Beinen sehr gut zurecht und jagen bei Freigang wieder Mäuse und besteigen Bäume. Der durch den Krebs ausgelöste Schmerz ist in kürzester Zeit verschwunden, und mit ihrem geringen Gewicht und ihrer Agilität können die Tiere den Verlust eines Beines sehr gut kompensieren.
© Dres. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet



