Glimpflich verlaufender Magen-Darm-Fremdkörper bei einem Hund

Dr. med. vet. P. Müller • January 2, 2026

Coco, Berner Sennenhund, weiblich, 2 Jahre alt


Am Sonntag haben die Besitzer beobachtet, wie Coco das im Abfall deponierte Netz eines "Rollschinklis" stibitzt und verschluckt hat. In der Nacht hat der Hund dann zweimal erbrochen, weshalb die Besitzer uns den Hund am Montag vorstellen.


Untersuch und Röntgen

Coco geht es gut - sie zeigt keine Bauchschmerzen und ist aktiv und interessiert. Natürlich ist wichtig zu wissen, wo sich der geschluckte Fremdkörper befindet. Sollte er im Dünndarm stecken geblieben sein, kann dies lebensbedrohlich sein.

Im Röntgen ist erkennbar, dass der Fremdkörper mit grösster Wahrscheinlichkeit schon den ganzen Dünndarm passiert hat und sich im Dickdarm befindet. Der Magen enthält etwas Flüssigkeit, weshalb radiologisch nicht ausgeschlossen ist, dass sich auch hier noch Teile des Fremdkörpers befinden könnten. Der Dünndarm zeigt zum Glück keine Anzeichen eines Darmverschlusses.

Von rektal ist der Fremdkörper leider mit dem Finger nicht erreichbar.


Weiterer Verlauf

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich Teile des Netzes noch im Magen befinden, wird Coco ein Medikament injiziert, welches sie mehrfach erbrechen lässt. Auch diesmal findet sich nur galliger Schleim im Erbrochenen, weshalb der Hund nach Hause entlassen wird.

Tags darauf schreibt uns die Besitzerin, dass der Hund wie erhofft das Corpus Delicti mit dem Kot ausgeschieden hat.


Wissenschaftliches

Die Aufnahme von Fremdmaterial ist bei Hunden (und weniger auch bei Katzen) ein häufiges Problem. Neben der Zusammensetzung (z.B. Giftigkeit von grösseren Mengen Schokolade) kann auch die Form (z.B. Scherben oder Nähnadeln) oder das Volumen des Fremdmaterials ein Problem darstellen. Ist der Fremdkörper klein genug, um vom Magen in den Dünndarm zu gelangen, kann er dort zu einer Blockade führen, welche so schnell als möglich chirurgisch beseitigt werden muss. Ist der Fremdkörper im Verhältnis zum Dünndarmdurchmesser klein genug, kann er durch den Darmtrakt passieren und auf natürlichem Weg wieder ans Tageslicht kommen.

Coco hatte das Glück, dass sie ein grosser Hund ist und das Netzchen auf seinem Weg durch den Dünndarm keine Blockade bewirkt hat.


Wird von den Besitzern die Aufnahme von problematischem Fremdmaterial beobachtet, sollte idealerweise sofort ein Notfalltierarzt konsultiert werden: So kann der Hund zum Erbrechen gebracht werden, wodurch das Fremdmaterial entfernt werden kann, bevor es Schaden anrichtet.

© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet

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