KIRI, Hauskatze, weiblich, 11 Monate alt

Die junge Kätzin ist trächtig - vor einer Woche war in einer anderen Praxis noch ein Ultraschall des Bauches durchgeführt und keine Auffälligkeiten gefunden worden.

Seit 2 Tagen zeigt Kiri nun aber blutig-schleimigen Vaginalausfluss, ansonsten geht es der Katze aber gut und sie zeigt Appetit.

Untersuch

Beim Abtasten des Bauches sind Föten tastbar. Die Katze weist eine normale Körpertemperatur auf, der Vaginalausfluss ist rostbraun, schleimig und riecht leicht.

Ein Ultraschall der Bauchhöhle zeigt leider, dass beide Föten tot sind: Die Herzen sind einwandfrei darstellbar und schlagen nicht, auch ein Dopplerultraschall zeigt keinen Blutfluss in den beiden Körperchen. Hinter dem im linken Gebärmutterhorn liegenden Fötus findet sich ein dritter Föt - dieser ist aber sehr viel kleiner als die beiden anderen; der Schädeldurchmesser beträgt nur ca 10 mm, währenddem derjenige der normal entwickelten Föten ca 22 mm beträgt. Auch dieser unterentwickelte Fötus zeigt keine Lebenszeichen.

Therapie

Leider sind die Föten von Kiri allesamt abgestorben - dieses Fremdmaterial in der Gebärmutter stellt nun ein Gesundheitsrisiko für die Mutter dar, weswegen die Gebärmutter samt den abgestorbenen Föten sowie beiden Eierstöcken chirurgisch entfernt wird. Kiri erholt sich gut von der Operation und zeigt schon bald keinen Vaginalausfluss mehr.

Wissenschaftliches

Trächtigkeiten und auch Geburten verlaufen bei Katzen meist komplikationslos.

Bei Kiri ist zu vermuten, dass der wachstumsmässig zurückgebliebene Fötus im linken Gebärmutterhorn einen negativen Einfluss auf die Umgebungsbedingungen im Uterus ausgeübt hat. Weshalb dieser Fötus unterentwickelt war, und warum genau die beiden zuvor vitalen Föten abgestorben sind, kann leider nicht eruiert werden. "Säubert" sich eine Gebärmutter mit toten Früchten nicht von selbst durch einen kompletten Abort, kann das verbleibende Totgewebe als Herd für eine bakterielle Besiedelung dienen und so die Mutter in Lebensgefahr bringen - eine Kastration ist deshalb nicht zu umgehen. Die Auslösung eines Aborts durch Injektion eines Medikamentes könnte allenfalls auch erfolgsbringend sein, ist aber mit Nebenwirkungen verbunden und nicht in jedem Fall erfolgreich.