LILY, Lhasa Apso, weiblich, 8 Monate alt

Lily wird uns wegen Hustens vorgestellt. Die Besitzer berichten, dass der Welpe schon seit längerer Zeit ab und zu huste, das Symptom in der letzten Zeit aber verstärkt aufgetreten ist. Ansonsten geht es Lily gut.

Untersuchung und symptomatische Therapie

Der klinische Untersuch von Lily verläuft unauffällig - insbesondere zeigt der Hund keine verstärkten Lungengeräusche bei Auskultation und keine erhöhte Körpertemperatur. Aufgrund des guten Allgemeinzustandes wird vorerst auf Diagnostik verzichtet und ein Hustenmedikament sowie ein Breitspektrumantibiotikum verschrieben.

Weitere Diagnostik

Wie vereinbart melden sich die Besitzer nach einer Woche wieder bei uns. Zwar geht es Lily immer noch gut, allerdings hat sich der Husten überhaupt nicht verbessert.

Aus diesem Grund werden nun Lungenröntgen angefertigt. Auf den Bildern sind leichte bis mittelgradige, diffus verteilte Lungenverschattungen vom sogenannt bronchointerstitiellen Typ erkennbar. Als mögliche Ursachen kommen bei diesem Typ Lungenveränderung neben einer chronischen bakteriellen Bronchitis insbesondere ein Infekt mit Lungenwürmern in Frage. Da ein Breitspektrumantibiotikum keine Verbesserung des Hustens bewirkt hatte, scheint ein Lungenwurmbefall nun sehr wahrscheinlich.

Weitere Therapie und Verlauf

Lily erhält nun ein Medikament, welches Lungenwürmer abtötet. Gleichzeitig werden die Besitzer gebeten, Kot über mehrere Tage zu sammeln, damit dieser zur Lungenwurmdiagnostik in ein Labor geschickt werden kann. Schon zwei Tage nach Beginn des Medikamentes hustet Lily nicht mehr, und auch nach Abschluss der Therapie bleibt der Hund symptomfrei. Durch den Verlauf unter Therapie scheint die Diagnose eines Lungenwurmbefalls so praktisch gesichert.

Versuch der Diagnosesicherung

Um einen Lungenwurmbefall definitiv beweisen zu können, wird die Kotprobe in ein externes Labor geschickt, in dem ein sogenanntes "Baermann-Auswanderungsverfahren" durchgeführt wird. Hierbei können Lungenwurmlarven im Kot des Hundes nachgewiesen werden; allerdings fällt der Test bei Lily negativ aus und ein definitiver Beweis des Befalls kann deshalb leider nicht geführt werden (zu möglichen Gründen dafür: siehe unten). Der durchschlagende und anhaltende Erfolg der Lungenwurmtherapie macht allerdings einen Befall extrem wahrscheinlich.

Der Nachweis eines Lungenwurmbefalls erfolgt in der Regel mittels Nachweis von Lungenwurmlarven im Kot. Da die Larven nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, wird eine "Poolung" der Kotproben (dh Untersuch von mehreren seriellen Kotproben zusammen) empfohlen, um die Wahrscheinlichkeit eines Nachweises zu erhöhen. Leider können aber auch hier falsch negative Tests auftreten; ausserdem ist der Test in der sogenannten Präpatenzphase (der Zeit zwischen dem Infekt mit Würmern bis zum Zeitpunkt der Ausscheidung von ersten Wurmlarven), welche bei Lungenwürmern 6 Wochen und mehr beträgt, negativ. Diese beiden Faktoren könnten zum negativen Befund bei Lily geführt haben.

Auf weitere Diagnostika zur Beweisführung (zB ein Blutuntersuch, welcher Abwehrstoffe gegen einen Typ Lungenwurm nachweisen kann, oder aber ein erneutes Lungenröntgen) wurde wegen des Verschwindens der Symptome verzichtet.

Wissenschaftliches

Die Lungenwurmproblematik bei Hunden wird in der Schweiz höchstwahrscheinlich unterschätzt. Studien aus Deutschland zeigen, dass bei 6-7% von Hunden mit Atemwegssymptomen Lungenwürmer die Ursache darstellen, es wird in Europa auch eine Zunahme der Fälle beobachtet. Übertragen werden die beiden hauptsächlich relevanten Lungenwürmer (Crenosoma Vulpis und Angiostrongylus Vasorum) durch die Aufnahme von mit dem Parasiten belasteten Schnecken. Währenddem die erwachsenen Angiostrongylus-Würmer im Herzen und den Lungengefässen leben, parasitiert Crenosoma Vulpis in den Bronchien selbst. Bei beiden Parasiten gelangen dann Larven-Zwischenstadien in die Lunge, werden ausgehustet, abgeschluckt und dann mit dem Kot abgesetzt.

Insbesondere der im Herzen parasitierende Angiostrongylus (eigentlich eher ein Herz- als ein Lungenwurm) führt in vielen Fällen zu schweren Symptomen wie Gerinnungsstörungen, Lungenembolien, Lungenentzündungen, Atemnot und plötzlichem Tod. Für den Menschen sind die Parasiten harmlos.

Entsprechend der Prophylaxe gegen den in Südeuropa und tropischen Gebieten vorkommende Herzwurm (Dirofilaria Immitis) kann in Gebieten, in denen der Parasit häufig vorkommt, eine vorbeugende Behandlung mittels monatlicher Verabreichung eines Entwurmungspräparates in Betracht gezogen werden. Die Diagnose des Parasiten erfolgt über einen Nachweis von Larven im Kot der Hunde (Sammelprobe über 3 Tage) mittels des Baermann-Verfahrens. Neuerdings ist auch ein Blut-Schnelltest erhältlich, welcher 96% der Fälle von Angiostrongylus erkennt (allerdings nicht Infektionen mit dem weniger gefährlichen Parasiten Crenosoma Vulpis).

Weitere Informationen finden Sie z.B. unter

http://www.esccap.org/upload/docs/pa077iig_ESCCAP_2012_Factsheet_Angiostrongylus_d_def_310812.pdf

oder

http://www.zora.uzh.ch/35881/2/KleintierKonkret_Schnyder_Berlin_01_07_2010.pdf