NORA, Mischling, weiblich, 4 Monate alt

Nora wird uns vorgestellt, weil sie ca. ein halbes Kilogramm Schokolade gefressen hat. Trotzdem es sich um Milchschokolade (und nicht zB Zartbitterschokolade) handelt, welche ausserdem noch Haselnüsse enthält, wird errechnet, dass der problematische Inhaltsstoff Theobromin doch in zu grosser Menge aufgenommen worden ist um eine mögliche Vergiftung gänzlich ausschliessen zu können.

Untersuchung

Der 11 kg schwere und gut 4 Monate alte Welpe ist munter und interessiert, der Untersuch verläuft unauffällig.

Behandlung und weiterer Verlauf

Nora erhält eine Injektion mit einer sehr geringen Menge eines Medikamentes, welches Brechreiz bewirkt. Schon kurze Zeit später beginnt sie zu erbrechen - schlussendlich kommt eine ganze Menge noch unverdauter Schokolade samt Aluverpackung ans Tageslicht. Nora wird daraufhin wieder nach Hause entlassen und zeigt ausser kurzfristig etwas fettigem Kot keinerlei Probleme.

Wissenschaftliches

Die meisten Hunde lieben Schokolade und würden sich in unbeaufsichtigten Momenten über unbewachte Schokolade hermachen. Die meisten Hundehalter wissen aber, dass dies für das Tier zum Problem werden kann:

Problematisch ist hierbei das im Kakao vorhandene Theobromin (ein Verwandter des Koffeins): Währenddem die Leber des Menschen diese Substanz sehr schnell abbaut, ist die Hunde- (und auch Katzen-)Leber dazu nur bedingt im Stande. In der Folge steigt der Blutspiegel von Theobromin stark an, was zu Vergiftungserscheinungen wie Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps, Krämpfe und Atemnot und schliesslich dem Tod führen kann.

Relevant ist hierbei natürlich das Gewicht des Hundes (d.h. Zwergrassen tolerieren weniger Schokolade als Riesenrassen) und die Zusammensetzung der Schokolade: Zartbitterschokolade enthält  bis zu 20 Milligramm Theobromin pro Gramm Schokolade, Milchschokolade nur ca 2 Milligramm pro Gramm Schokolade. Ab 20 Milligramm Theobromin pro Kilogramm Körpergewicht können Symptome auftreten, ab 60 Milligramm pro Kilo Gewicht können diese tödlich verlaufen.

Nora hat also rund 1000 Milligramm Theobromin aufgenommen (wegen der Beimenung von Haselnüssen aber wohl eher weniger), was für ihre 11 kg Gewicht eine Dosis macht, welche mit 90 mg pro kg Gewicht deutlich über der möglichen letalen Dosis lag. Ein rechtzeitiges Bemerken des Problemes und folgendes Auslösen von Erbrechen kann (wie bei Nora) also gravierende Folgen verhüten.