CHILI, Hauskatze, männlich, 4 Monate alt

Der Katzenwelpe wird uns zur Zweitbeurteilung wegen eines Problems am rechten Auge vorgestellt. Das Tier zeigt seit den ersten paar Lebenswochen eine Veränderung im inneren Augenwinkel und in der Folge ständigen Augenausfluss.

Ein genauerer Augenschein zeigt, dass Chili an einem sogenannten "Cherry Eye" leidet. Hierbei schlüpft die sich im dritten Augenlid (Nickhaut) befindliche Drüse von der Hinterseite der Nickhaut über deren Rand an die Vorderseite und liegt damit exponiert und schlecht durch Tränen befeuchtet im inneren Augenwinkel.

Durch diesen mechanischen Reiz hat Chili auch eine Bindehautentzündung entwickelt, und die luxierte Drüse ist geschwollen.

Therapie und weiterer Verlauf

Durch den Nickhautdrüsenvorfall entsteht eine chronische Bindehautentzündung, welche eine zusätzliche Schwellung der Drüse bewirkt. Nach einer Woche Behandlung mit entzündungshemmenden Tropfen wird die Drüse unter Lokalbetäubung wieder hinter die Nickhaut zurückbefördert. Eine weitere Woche unter Augentropfen folgt, und noch immer befindet sich die Drüse an ihrem ursprünglichen Platz - optisch scheint das Auge nun beinahe wieder normal. Die Augentropfen werden in der Folge abgesetzt.

Wissenschaftliches

Das 3. Augenlid (Nickhaut) ist eine beidseits mit Bindehaut belegte Gewebefalte im inneren Augenwinkel. Beim Menschen stark zurückgebildet, ist sie bei Hund und Katze stark ausgeprägt und enthält einen T-förmigen Knorpel sowie die zur Tränenproduktion beitragende Nickhautdrüse. Sie dient ausserdem zum Schutz des Augapfels: Nicht selten sehen wir Katzen, welche nach Kämpfen einen beschädigten Nickhautrand aufweisen - die Schutzhaut wurde in diesen Fällen gerade noch rechtzeitig ausgefahren, um die darunterliegende Hornhaut vor Verletzung zu schützen.

Bei Hunden (und deutlich seltener bei Katzen) kann die Nickhautdrüse unter Zunahme der Grösse von der Hinterfläche der Nickhaut über den Nickhautrand nach vorne klappen und dadurch nicht mehr korrekt befeuchtet werden. Ursachen können Missbildungen des Nickhautknorpels und der Drüse selbst sowie anatomische Nachteile (zB Hängelider bei Doggen) darstellen. Eine chirurgische Entfernung der Drüse wird nicht empfohlen, da so die Tränenproduktion reduziert wird.

Die Reposition der Drüse unter Lokalanästhesie kann erfolgsversprechend sein - bei Chili blieb die Drüse bisher an ihrem ursprünglichen Platz. Fällt die Drüse aber immer wieder vor, kann sie  chirurgisch wieder an ihren angestammten Platz befördert werden.