RONJA, europäische Hauskatze, weiblich-kastriert, 12 Jahre alt

Vorgeschichte

Ronja zeigt ein bei Katzen oft gesehenes Symptom: Sie setzt häufig kleine Mengen Urin ab, der Urin ist leicht blutig und die Katze scheint beim Harnabsatz Schmerzen zu empfinden. Ein erster Therapieversuch mittels Antibiotika und Entzündungshemmer zur Bekämpfung einer bakteriellen Blasenentzündung bringt keine Verbesserung der Symptome, weshalb die Katze genauer abgeklärt wird.

Weitere Abklärungen

Unter Ultraschallkontrolle wird steriler Urin direkt aus der Blase entnommen und in einem externen Labor bakteriologisch untersucht - es werden aber keine Erreger festgestellt. Hingegen zeigt sich im Ultraschall, dass die Blase Fremdkörper enthält, welche einen Schallschatten werfen. Im Röntgen bestätigt sich die Vermutung, dass die Blase der Katze eine grosse Zahl sehr kleiner Steine enthält, welche röntgendicht ("weiss") erscheinen.

Therapie und weiterer Verlauf

Es muss angenommen werden, dass die Katze aufgrund der mechanischen Blasenreizung durch die kleinen Blasensteine die beobachteten Symptome zeigt. Eine chirurgische Entfernung der Steine erscheint wenig erfolgversprechend - die Steine sind so klein, dass sie sich problemlos in den Falten der geschwollenen Blasenschleimhaut verstecken können und so dem Auge und dem Tastsinn des Chirurgen entgehen könnten.

Da Ronja ein weibliches Tier ist, kommt hier eine elegante Methode zur Blasensteinentfernung zur Anwendung: Die Urohydro-Propulsion. Hierbei wird die Blase der Katze unter Narkose mit einem feinen Katheter mit Kochsalzlösung gefüllt. Das Tier wird anschliessend von einer Hilfsperson unter den Vorderbeinen so angehoben, dass die Katze aufrecht in der Luft hängt. Dadurch sammeln sich die Blasensteine im tiefstliegenden Punkt der Blase (dem Blasenhals) und können durch manuelles Auspressen der Blase mitsamt der Kochsalzlösung in die Harnröhre und damit ans Tageslicht befördert werden. Dieser Vorgang wird einige Male wiederholt, bis keine Blasensteine mehr ausgespült werden können. Ein abschliessendes Röntgen bestätigt die komplette Entfernung der mehreren Dutzend Blasensteine.

Schon wenige Tage nach der Entfernung der Steine berichten die Besitzer, dass die Katze keinerlei Symptome mehr zeigt.

Wissenschaftliches

Blasensteine sind bei älteren Katzen recht häufig zu finden. Je nach Zusammensetzung können die Steine röntgendicht (d.h. "weiss") oder röntgendurchlässig (d.h. "dunkel" und damit im Röntgen nicht erkennbar) sein. Je nach Zusammensetzung kann versucht werden, die Steine mittels Futterwechsel aufzulösen. Da die Blasensteine bei Ronja stark röntgendicht waren, musste davon ausgegangen werden, dass es sich um Calcium-Oxalat-Steine handelte, welche nur mechanisch entfernt werden können. Diese Annahme wurde durch die Untersuchung der Steine nach Entfernung bestätigt.

Die Urhohydro-Propulsion stellt eine einfache Möglichkeit der Entfernung von kleinen Blasensteinen bei weiblichen Tieren dar: Hier erlaubt der grosse Durchmesser der weiblichen Harnröhre ein Ausspülen von Steinen, welche einen kleineren Durchmesser aufweisen als die Harnröhre selbst. Bei grösseren Steinen oder männlichen Tieren ist diese Methode leider nicht anwendbar.