BARBAS, Perser, männlich-kastriert, 6 Jahre alt

Vorgeschichte

Seit ca 3 Monaten scheint "Barbas" unter einem zunehmenden Juckreiz zu leiden - er kratzt sich häufig und benagt auch gewisse Körperstellen. An Kopf, Ohren und Rumpf haben sich Krusten entwickelt, und das Fell fällt an den betreffenden Stellen aus. Der vorbehandelnde Tierarzt liess ein Hautgeschabsel der veränderten Stellen untersuchen (hierbei wird mit einer Skalpellklinge an der Haut gekratzt und die abgeschabten Hautschuppen mikroskopisch untersucht), aber es wurde keine Erklärung für die Veränderungen gefunden. Auch eine Verabreichung eines Antibiotikums und Cortison zur Juckreizminderung brachte keinen Erfolg. Die Besitzerin stellt und "Barbas" zur Zweitbeurteilung vor.

Untersuch

Am ganzen Körper der Katze finden sich feine, fleckige oder streifen- bis ringförmige Krusten. Teilweise finden sich Kratzspuren, die Haare fehlen in den betroffenen Regionen. Es sind keine Hautparasiten zu sehen, der restliche Untersuch verläuft unauffällig.

Weitere Untersuchungen und Verlauf

Da die Krusten teilweise ringförmig verlaufen, könnte es sich beim Problem um einen Hautpilzbefall handeln - allerdings verlief die entsprechende Untersuchung zuvor negativ. Als weitere Möglichkeiten kommen allergiebedingte Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten und Medikamentennebenwirkungen in Frage.

Um die Veränderungen genauer abzuklären, werden unter Narkose mehrere Hautproben genommen und in einem dermatologischen Labor untersucht. Das beobachtete Entzündungsmuster der Haut und die an den Haaren aufgefundenen Pilzgeflechte entlarven das Problem von "Barbas" als ausgedehnter Pilzbefall. Eine Pilzkultur verläuft dann auch positiv - das Nährmedium verfärbt sich schon nach 2 Tagen (und bevor eine Pilzkultur ersichtlich ist) rot. Beim Kontrollbesuch bringt die Besitzerin ausserdem ihre zweite Katze mit, welche am Ohr eine ähnliche Veränderung aufweist. Ausserdem entwickelt sich am Arm einer unserer Tiermedizinischen Praxisassistentinnen eine Hautveränderung, welche extrem verdächtig für einen Pilzbefall ist. Die Diagnose ist somit mehrfach gesichert - die Katzen werden mit einem systemischen Pilzmittel, welches oral als Sirup verabreicht wird, behandelt; die TPA versorgt den Hautpilz mit einer Pilzcrème.

Währenddem sich der Pilzbefall bei den Katzen rasch bessert und der Juckreiz nachlässt und die Haut abheilt, muss die TPA den Hautpilz über lange Zeit und über das optische Verschwinden der Veränderung hinaus behandeln.

Wissenschaftliches

Hautpilze sind bei Hunden und Katzen weit verbreitet und können zwischen den Tieren, aber auch auf den Menschen übertragen werden. Umgekehrt können sich Tiere auch beim Menschen anstecken. Der am häufigsten diagnostizierte Pilz ist Microsporum Canis, welcher bei Katzen und Hunden vorkommt. Die Pilze können sich rasch vermehren und führen meist zu einem intensiven Juckreiz. Durch Kratzen und Lecken wird der Erreger in andere Körperregionen transportiert, so dass häufig mehrere Hautpartien betroffen sind, was eine allein topische (lokale) Behandlung verunmöglicht. Bei kurzhaarigen Katzen heilt der Pilz oft von selbst ab; bei langhaarigen Tieren sowie bei Jungtieren mit noch unausgereiftem Immunsystem kann der Befall aber sehr hartnäckig werden. Systemische, oral verabreichte Pilzmittel der neueren Generation sind gut verträglich und lösen das Problem meistens rasch. Bei langhaarigen Katzen kann in hartnäckigen Fällen das Fell geschoren werden, um die Pilzlast zu reduzieren. Da die Hautpilze Sporen in die Umgebung abgeben, können auch Umweltmassnahmen (Entsorgen von Gegenständen wie Bürsten und Halbsbändern sowie heisses Waschen von Liegeflächen) zur Reduktion der Pilzbelastung beitragen.