JOYA, Hauskatze, weiblich, 7 Monate alt

 

Vorgeschichte

Der Halterin ist aufgefallen, dass die Katze zunehmend aus dem Maul speichelt, umständlich und unsauber frisst und mit den Vorderpfoten häufig am Maul reibt.

Untersuch

Das Maul und die Vorderpfoten der Katze sind von Speichel verschmiert. Ursache für den vermehrten Speichelfluss ist eine gut kirschgrosse Schwellung in der Maulschleimhaut des Unterkiefers, welche sich zwischen dem Unterkiefer und der Zunge gebildet hat und die Zunge nach links und oben verdrängt. Die Schwellung ist leicht bläulich verfärbt und elastisch. Eine Punktion bestätigt, dass es sich um eine mit Speichel gefüllte Zyste handelt – eine sogenannte Ranula. Zur kurzfristigen Erleichterung wird die Zyste am wachen Tier mit einem kleinen Skalpellschnitt eröffnet und so entleert.

Weiterer Verlauf

Speichelzysten, welche entleert werden, füllen sich in der Regel innert kurzer Zeit wieder mit Speichel. Dies ist auch bei „Joya“ der Fall, und die Verbesserung bezüglich Speichelfluss und Kaufähigkeit hält nur einige Tage an. Deshalb wird das Problem chirurgisch angegangen: In Narkose wird eine sogenannte Marsupialisation der Cyste durchgeführt (aus dem Lateinischen „marsupium“ = Tasche). Hierbei wird sozusagen der „Deckel“ der Cyste entfernt und die überstehenden Ränder an der Basis der Cyste festgenäht. So kann eine langfristige Drainage (Entleerung) der Cyste herbeigeführt werden.

Einige Wochen postoperativ wird eine Kontrolluntersuchung durchgeführt: Die Schwellung ist gänzlich verschwunden und der Gewebedefekt ist vollständig mit neuer, gesunder Schleimhaut bedeckt. Der Katze geht es sehr gut.

Wissenschaftliches

Eine Ranula (aus dem Lateinischen: Fröschlein; die Schwellung präsentiert sich wie die Schallblase eines Frosches) bildet sich meist durch ein Leck im Ausführgang einer Speicheldrüse. Möglicherweise kann auch die Verstopfung des Speicheldrüsen-Ausführganges eine solche Zyste verursachen.

Um eine nachhaltige Heilung herbeizuführen, ist praktisch immer eine chirurgische Therapie vonnöten. Hierzu kann eine Marsupialisation alleine oder aber in Kombination mit einer Entfernung der betroffenen Speicheldrüse durchgeführt werden. Letztere Option beinhaltet ein geringeres Rezidivrisiko, ist aber schwieriger durchzuführen.