ACUMBA, Rhodesian Ridgeback, männlich kastriert, 8-jährig

 

Vorgeschichte

Den Besitzern ist aufgefallen, dass „Acumba“ im Verlauf der letzten paar Stunden zunehmend unruhig geworden ist und mehrmals versucht hat, zu erbrechen – allerdings ohne Erfolg. Ansonsten geht es dem Hund nicht schlecht.

Untersuch

Der Hund erscheint recht munter, allerdings schlägt sein Herz deutlich schneller als normal. Der Bauch ist voluminöser als gewohnt und weist im vorderen Bereich eine gasig-elastische Konsistenz auf.

Weitere Untersuchungen

Alle Vorzeichen deuten auf eine Magendrehung hin. Als Sofortmassnahme wird deshalb zur Kreislaufstützung eine intravenöse Infusion in Schockdosis verabreicht. Währenddessen wird zur Diagnosesicherung in Seitenlage eine Röntgenaufnahme des Bauches angefertigt. Diese zeigt das klassische „Zipfelmützenbild“ eines aufgegasten und teilweise rotierten Magens.

Weiterer Verlauf

Eine Magendrehung ist ein Notfall, welcher unbehandelt tödlich verläuft. Als erstes wird bei „Acumba“ versucht, mittels einer Schlundsonde am wachen Tier eine Druckentlastung des Magens herbeizuführen. Durch die Rotation des Magens ist dies jedoch nicht möglich. Da der Hund noch in einem recht guten Allgemeinzustand ist, wird auf eine Druckentlastung mittels einer Kanüle, welche von aussen in den aufgegasten Magen gestochen wird, verzichtet.

Der Hund wird schonend narkotisiert und die Bauchhöhle nach den üblichen Vorbereitungen chirurgisch eröffnet. Da auch danach mit manueller Hilfe ein Einführen einer Schlundsonde in den Magen nicht möglich ist, wird der Magen aufgeschnitten und abgegast. Neben Gas enthält der Magen aber auch viel Flüssigkeit, Futterwürfel und Holzstückchen. Der Magen wird sorgfältig und geduldig mittels Saugpumpe und Löffel entleert, verschlossen, und in seine normale Position zurückrotiert. Der Magen und die stark gestaute Milz werden einige Minuten beobachtet; glücklicherweise scheinen die Organe trotz der verminderten Durchblutung keinen Schaden genommen zu haben. Vor dem Verschluss der Bauchhöhle wird nun noch eine sogenannte Gastropexie vorgenommen. Hierbei wird der Magenausgang an die rechte Bauchwand angenäht - so soll verhindert werden, dass sich der Magen in Zukunft erneut drehen könnte.

Die Aufwachphase verläuft problemlos, und der Hund zeigt postoperativ auch keine Herzrhythmusstörungen – eine gefürchtete Komplikation, die nach Magendrehungen häufig Probleme bereitet. Mit Schmerzmittel und Antibiotika wird der Hund nach Hause entlassen; 10 Tage später werden die Hautklammern entfernt – „Acumba“ hat sich von der Operation gut erholt.

Wissenschaftliches

Die Magendrehung ist ein bei Besitzern und Tierärzten gefürchteter, schwerer Notfall bei grossrassigen Hunden. Mehrere Risikofaktoren begünstigen, dass sich der Magen in der Bauchhöhle aus seiner natürlichen Position heraus verdrehen und in dem nun abgeschlossenen Hohlorgan eine Gärung einsetzen kann: Insbesondere grosse Hunderassen mit tiefen Brustkörben (z.B. Schäferhundartige, Doggen, Bernhardiner, Dobermann) und lockeren Magenbändern haben ein erhöhtes Risiko, eine Magendrehung zu erleiden. Aufnahme von grossen Mengen an Futter innert kurzer Zeit, starke Bewegung nach der Fütterung, und Aufnahme von viel Luft und gärenden Materialien erhöhen das Risiko einer Magendrehung. Grundsätzlich kann das Problem aber bei allen Hunderassen auftreten – es sind auch Fälle von Magendrehungen bei Katzen bekannt.

Durch die Rotation und die folgende Gärung im Magen schwillt der Magen innert kurzer Zeit an – das Tier versucht erfolglos, zu erbrechen und wird wegen des Völlegefühls unruhig. Der zunehmende Druck im Bauchinnern bewirkt, dass die grossen Blutgefässe gequetscht werden, der Körper in einen Kreislaufschock gerät und das Tier ohne sofortige Therapie innert kürzester Zeit sterben kann.

Therapeutisch wird zuerst versucht, den Kreislauf mittels aggressiver Infusionstherapie zu stützen und so eine Narkosefähigkeit zu erreichen. Eine baldestmögliche Druckentlastung kann möglicherweise durch Einführen einer Schlundsonde erreicht werden. Ist dies nicht möglich, kann (wie bei der Pansengärung der Kühe) eine Trokarisierung versucht werden. Hierbei wird durch die Haut eine Hohlnadel in den Magen gestochen, um Gas entweichen zu lassen. Ist der Magen einmal entgast, kann er meist auch ohne Magenschnitt in die ursprüngliche Position zurückmanipuliert und über eine Schlundsonde gespült und entleert werden. Bei „Acumba“ musste der Magen über einen Magenschnitt entleert werden, da er neben Gas auch viel festes Material enthielt.

Da der Magen und die mitrotierte Milz längere Zeit ohne ausreichende Blutversorgung blieben, muss die Vitalität dieser Organe im Anschluss gründlich beurteilt werden. Falls nötig, müssen Milz und/oder Teile des Magens entfernt werden. Am Schluss der Operation wird der Magen an der Bauch-/Brustwand angenäht, um eine erneute Drehung zu verunmöglichen, und die Bauchhöhle verschlossen.

Postoperative Komplikationen sind relativ häufig; insbesondere können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, welche aggressiv behandelt werden müssen.