BUDDY, Mischling, männlich kastriert, 8 Jahre alt

 

Vorgeschichte

Vor 3 Wochen zeigte der Hund nachts während 3 Tagen Unruhe und Symptome von Bauchschmerzen (Kreislaufen, Bauchpressen). Danach ging es „Buddy“ wieder besser. Seit gestern geht es ihm aber wieder schlechter; er wollte bei einem Agility-Wettkampf nur sehr widerwillig die Hindernisse absolvieren, und er verweigerte auch sein Futter. Die Besitzerin hatte auch das Gefühl, dass sein Bauch an Umfang zugenommen hatte.

Untersuch

Bei der Untersuchung wird festgestellt, dass der Hund eher bleiche, „verwaschene“ Maulschleimhäute aufweist. Das Abtasten des Bauches scheint schmerzhaft, der Bauch weist eine teigige Konsistenz auf.

Weitere Untersuchungen

Eine Blutuntersuchung zeigt, dass der Hund eine leichte Anämie (verminderter Gehalt an roten Blutkörperchen) und Thrombocytopenie (verminderter Gehalt an Blutplättchen) aufweist. Der Blutproteingehalt ist am unteren Rand des Normalbereiches, ansonsten verläuft der Blutuntersuch unauffällig.

Auf einer Röntgenaufnahme des Bauches ist ersichtlich, dass die Organe schlecht voneinander abgrenzbar sind - in der Bauchhöhle befindet sich offenbar Flüssigkeit.

Mittels Ultraschall wird nun die Bauchhöhle untersucht. Dabei wird der Verdacht einer Flüssigkeitsansammlung bestätigt. Zusätzlich wird entdeckt, dass die Milz an einem Ende eine ca. 5 cm messende Veränderung aufweist, was den Verdacht eines Milzgeschwulstes weckt. Die Bauchhöhle wird punktiert: Die Flüssigkeit entpuppt sich als Blut. Es besteht der dringende Verdacht eines Geschwulstes, welcher in die Bauchhöhle blutet – am ehesten handelt es sich hierbei um ein Hämangiosarkom, ein Geschwulst der Blutgefässe selbst. Da diese Art Tumor in verschiedenen Organen gleichzeitig vorkommen und auch Ableger bilden kann (Metastasierung), werden Lungenröntgen angefertigt, welche glücklicherweise unauffällig sind. Ein Ultraschall des Herzens zeigt aber, dass im rechten Herzvorhof eine Masse von ca. 9 mm Durchmesser zu finden ist. Da sich Hämangiosarkome am häufigsten in Milz, Leber und dem rechten Herzvorhof finden, wird vermutet, dass es sich bei der aufgefundenen Veränderung im Herzen ebenfalls um einen solchen Geschwulst handelt.

Die Situation wird mit den Besitzern besprochen. Ohne Operation wird „Buddy“ wegen der schweren inneren Blutung mit grosser Wahrscheinlichkeit innert kürzester Zeit grosse Probleme haben und sterben. Auch wenn der Verdacht eines Zweitgeschwulstes im Herzen gross ist, entschliessen sich die Besitzer, die vorerst lebensrettende Operation zu wagen und die befallene Milz zu entfernen.

Weiterer Verlauf

Ein Venenkatheter wird gelegt, über den eine intravenöse Infusion zur Stützung des Kreislaufes verabreicht wird. Da der Hund bei erstaunlich gutem Allgemeinbefinden ist und der Blutkörperchengehalt nur leicht unter der Norm und der Blutproteingehalt im Normalbereich liegt, wird auf die Verabreichung einer Bluttransfusion oder von Blutplasma verzichtet.

Unter Narkose wird die Bauchhöhle eröffnet. Etwa 7 Deziliter Blut werden abgesaugt, danach wird die Milz aus der Bauchhöhle vorgelagert – der Geschwulst befindet sich am linken Ende der Milz und ist in der Mitte auseinandergebrochen und blutet stark. Die Milz wird entfernt, die Bauchhöhle mit Kochsalzlösung gespült und nach weiteren Geschwulsten abgesucht; glücklicherweise bleibt diese Suche erfolglos. Die Bauchhöhle wird routinemässig verschlossen und der Hund erhält ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum. In der Folge erholt sich „Buddy“ langsam, und nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. Aus verschiedenen Gründen wird entschieden, bei „Buddy“ auf eine Chemotherapie nach der Milzentfernung zu verzichten.

Es ist vorgesehen, in einem Monat einen weiteren Herzultraschall durchzuführen, um die Situation im rechten Herzvorhof erneut zu beurteilen.

Wissenschaftliches

Milzgeschwulste sind beim Hund relativ häufig und machen beinahe die Hälfte aller Bauchhöhlentumoren bei dieser Spezies aus. Über 2/3 aller Milzgeschwulste sind bösartige Tumoren; in den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Hämangiosarkome. Daneben kommen in der Milz auch andere Geschwulsttypen und Blutergüsse vor, welche ähnlich aussehen können wie Hämangiosarkome.

Hämangiosarkome sind bösartige Tumoren, welche von Blutgefässen ausgehen. Diese Krebsform kommt vor allem bei älteren Hunden vor, und gewisse Rassen (z.B. der deutsche Schäferhund) sind häufiger betroffen als der Durchschnitt. Neben der Milz kommt dieser Tumortyp auch im Herzen, in der Leber, der Haut und anderen Organen vor – häufig sind dabei mehrere Organe gleichzeitig betroffen. Der Umstand, dass der Tumor oft an mehreren Stellen im Körper gleichzeitig vorkommt, erklärt die meist schlechte Prognose dieser Krebsart. Auch wenn von Auge und per Röntgenuntersuchung keine Ableger zu finden sind, haben sich häufig zum Zeitpunkt der Diagnose schon mikroskopisch kleine Metastasen gebildet. Es ist aber theoretisch auch möglich, dass es sich beim aufgefundenen Geschwulst in der Milz um den einzigen im Körper vorhanden Tumor handelt und die Entfernung der Milz eine Heilung des Tieres bewirkt. Eine Chemotherapie nach der Milzentfernung kann eine gewisse Verlängerung der statistischen Überlebenszeit des Patienten bringen, wobei der erzielte Erfolg meist recht gering ist.

Da Hämangiosarkome aus einer Entartung von Blutgefässzellen entstehen, sind diese Geschwulste extrem gut durchblutet. Als Folge brechen die Knoten häufig spontan auf, was innert kürzester Zeit zum Schock und Tod des Tieres führen kann (z.B. bei einer massiven Blutung eines Herztumors in den Herzbeutel hinein).