NIKITA, Hauskatze, weiblich, 2 Jahre alt

 

Vorgeschichte

Die Katze wird uns zur routinemässigen Kastration vorgestellt. Die Besitzerin berichtet, dass es „Nikita“ sehr gut gehe.

Untersuch

Die Kätzin wird vor der Narkoseeinleitung routinemässig untersucht. Dabei ist eine derbe, elastische, kugelige Masse von etwa 3 cm im oberen, linken Bereich der Bauchhöhle tastbar. Die restliche Untersuchung verläuft normal. Im Ultraschall ist der Knoten ebenfalls identifizierbar: Die Masse weist zwei unterschiedlich echodichte Regionen auf – eine hypoechogenes („dunkles“), gelapptes Zentrum und eine hyperechogene („helle“) Randzone. Die restliche Bauchhöhle scheint im Ultraschall unauffällig.

Obwohl die Katze erst knapp 2 Jahre alt ist, kommt für die Veränderung vor allem eine tumoröse Erkrankung (Eierstöcke oder Lymphknoten) in Frage. Deshalb wird zum Ausschluss von etwaigen Lungenablegern vor der Narkose noch ein Bruströntgen erstellt, welches unauffällig ist.

Therapie

Normalerweise werden bei der Kastration einer Kätzin mittels eines sehr kleinen Schnittes in die Bauchwand beide Eierstöcke entfernt. Aufgrund des aufgefundenen Knotens wird bei Nikita jedoch eine Laparotomie durchgeführt und die Bauchhöhle mittels eines grosszügigen Schnittes zur Inspektion eröffnet. Dabei stellt sich heraus, dass der linke Eierstock stark vergrössert ist. Der rechte Eierstock und die Gebärmutter scheinen normal. Vorsichtshalber werden jetzt neben den beiden Eierstöcken auch die Gebärmutter entfernt und die Bauchhöhle routinemässig verschlossen. Der herausoperierte Geschlechtstrakt wir in einem externen Labor mikroskopisch untersucht: Es handelt sich beim Geschwulst um ein sogenanntes Dysgerminom des linken Eierstocks.

Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen – die Wunde ist schön verheilt und die Katze bei bester Gesundheit. Es kann eine gute Prognose gestellt werden.

Wissenschaftliches

Der Fall von Nikita ist aus mehreren Gründen ungewöhnlich. Einerseits sind Krebsgeschwulste bei jungen Tieren selten. Andererseits werden bei Katzen und Hunden generell nur sehr selten Geschwulste der Eierstöcke festgestellt.

Dysgerminome bestehen aus Eizellen, welche entarten und unkontrolliert wachsen. Meist ist nur einer der zwei Eierstöcke betroffen. Obwohl der Geschwulst bösartig ist, bestehen in der Regel keine Symptome, da die Zellen keine Hormone produzieren. Komplikationen sind selten, da der Tumor glücklicherweise nur selten Ableger bildet.