BAROLO, Hauskatze, männlich-kastriert, 4 Jahre alt

Barolo hat Schmerzen - seit etwa einer Woche belastet er das linke Vorderbein nur noch schlecht. An Körper und Beinen der Katze finden sich diverse Kratzer; offenbar hat der Kater Auseinandersetzungen mit anderen Katzen hinter sich. Der Schmerz, welcher die Lahmheit verursacht, lässt sich aber nicht genauer lokalisieren, weshalb vorerst ein Schmerzmittel verschrieben wird.

Untersuchung und Röntgen

Leider erfüllt sich die Hoffnung, dass es sich nur um eine harmlose Verstauchung handelt, nicht - eine Woche später lahmt Barolo immer noch. Nun kann aber festgestellt werden, dass die Katze im mittleren Bereich des Unterarms schmerzhaft ist, weshalb die Region geröntgt wird: Die Elle ist in diesem Bereich fleckig verändert, was auf eine beginnende Auflösung des Knochens hinzuweisen scheint. Es ist zu befürchten, dass es sich um einen Knocheninfekt handelt, welcher sich Barolo bei einem Kampf zugezogen hat. Alternativ käme noch ein Befall mit Knochenkrebs in Frage, was aufgrund des Alters des Katers doch sehr unwahrscheinlich erscheint.

Barolog erhält ein hochdosiertes Antibiotikum, welches gut in den Knochen dringt.

Zum Vergleich: Gesundes, rechtes Vorderbein

Weiterer Verlauf: Röntgen nach 2 Wochen

Zwei Wochen später hat sich die Schmerzhaftigkeit nur unwesentlich verbessert; im Röntgen erscheint die Veränderung trotz Antibiotikum sogar eher verstärkt. Könnte es tatsächlich sein, dass es sich um Knochenkrebs handelt? In diesem Fall müsste die Diagnose mittels Knochenbiopsie gestellt werden und im schlimmsten Fall das Bein amputiert werden. Vorerst entscheiden wir uns aber, die Antibiotikumtherapie um ein zweites Präparat aufzustocken und so die Behandlung zu intensivieren.

Weiterer Verlauf: Röntgen nach 4 Wochen

Zwei weitere Wochen später können wir endlich aufatmen und das Bein wird erneut geröntgt. Barolo geht es nun viel besser, er zeigt keine Schmerzen mehr, und auch die Röntgenaufnahme zeigt, dass sich die Veränderungen langsam zurückzubilden scheinen. Ganz offensichtlich hat es sich hier tatsächlich um einen (wohl durch einen Katzenbiss verursachten) bakteriellen Infekt der Elle gehandelt.

Wissenschaftliches

Katzen, welche von anderen Katzen gebissen worden sind, sind Alltag in einer Kleintierpraxis. Meist entstehen so eiternde Wunden oder Abszesse, welche häufig auch ohne Antibiotika mittels Aufschneiden und Drainage zur Abheilung gebracht werden können. Im Gegensatz zum menschlichen Körper, welcher mit Katzenbissen viel schlechter umgehen kann (was sehr schnell zu schweren Problemen wie Sepsis (Blutvergiftung) führen kann) bildet sich bei Katzen meist ein eher harmloser Abszess. Selten kommt es zu komplizierteren Problemen: Bei Barolo drangen durch einen Katzenbiss offensichtlich Bakterien in den Unterarmknochen ein, wo sie sehr viel schwieriger zu bekämpfen waren und auch keinen Abszess bildeten. Knochenheilung verläuft sehr langsam, was die nur schleppende Verbesserung der Schmerzhaftigkeit erklärnen könnte. Alternativ ist denkbar, dass die involvierten Bakterien gegenüber dem ersten verwendeten Antibiotikum resistent waren und sich erst durch das zweite Präparat beseitigen liessen.