PASCO, Mischling, männlich, 12 Jahre alt

Pasco ist ein fröhlicher Mischlingshund, welcher leider unsere Praxis nur allzu gut kennt: Aufgrund eines schwerwiegenden Darmproblemes, welches einen Eiweissverlust über den Kot verursacht, ist er seit letztem Oktober bei uns in Behandlung. Glücklicherweise scheint inzwischen sein Darmproblem nach diversen therapeutischen Misserfolgen durch kleine Dosen an Cortison kontrolliert zu sein - die letzten Blutwerte fielen jedenfalls sehr zufriedenstellend aus. Frustrierenderweise haben die Besitzer nun aber ein neues Problem bemerkt: Pasco hat begonnen, sich forwährend am ganzen Körper zu kratzen und zu lecken.

Untersuch und Diagnosestellung

Auf der Haut von Pasco haben sich an verschiedenen Stellen grobe Krusten gebildet, die Haut ist entzündet und gerötet. Während der Konsultation leckt und kratzt sich der Hund ständig. Die Veränderungen scheinen verdächtig für einen Befall mit Räudemilben; ein Hautgeschabsel wird angefertigt und unter dem Mikroskop begutachtet: Tatsächlich finden sich in der Probe mehrere Sarkoptesmilben!

Therapie und weiterer Verlauf

Ganz offensichtlich sind die Räudemilben, welche die Haut befallen haben, verantwortlich für den massiven Juckreiz. Zum Abtöten der Parasiten wird ein Medikament mehrmals im Abstand von 3 Wochen auf die Haut aufgetragen und zu Beginn ein Medikament verabreicht, welches Juckreiz dämpft. In den nächsten Wochen nimmt der Juckreiz langsam ab und die Haut beruhigt sich.

Wissenschaftliches

Räudemilben spielen in der Kleintiermedizin eine immer grössere Rolle: Die klassische Räudemilbe Sarcoptes scabiei kann bei Hund und Katze, aber v.A. auch beim Rotfuchs auftreten. In den letzten Jahren wurden insbesondere im Seeland vermehrt schwer befallene Füchse beobachtet, welche die Krankheit auf Hunde übertragen könnten. Unbehandelt führt der Parasit wegen des schweren Juckreizes bei den Wildtieren zum Tod - die Füchse sterben oder müssen von Jägern und Wildhütern wegen der schweren Erkrankung geschossen werden.

Die Milbe ist ansteckend - einerseits bei direktem Kontakt, aber auch via indirekter Übertragung (z.B. Reiben an Baumstämmen). Auch der Mensch kann sich via Hund damit infizieren - allerdings sterben die Milben aufgrund des fehlerhaften Wirtes in der menschlichen Haut nach Entwicklung von Juckreiz und Papeln spontan wieder ab.

Ist die Diagnose erst einmal gestellt, ist die Therapie mit verschiedenen Antiparasitika relativ gut durchführbar; häufig muss zumindest zu Beginn der Therapie ein juckreizdämpfendes Mittel verabreicht werden. Obwohl das fortgeschrittene Krankheitsbild recht eindeutig ist, kann eine frühe Diagnose manchmal etwas schwierig sein: nur in etwa einem Viertel der Fälle ist ein Hautgeschabsel diagnostisch - ein spezieller Blutuntersuch ist diesbezüglich ein empfindlicherer Test.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass aufgrund des verabreichten Cortisons eine leichte Beeinträchtigung des Immunsystems von Pasco bewirkt wurde, welche den Befall eher begünstigte. Umgekehrt sind wir sehr froh, dass mit dem Medikament endlich eine effektive Therapie des Darmproblems und ein gutes Allgemeinbefinden des Hundes erreicht werden konnte.