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18.01.2018 14:04 Kategorie: Lyssbachvet, Delagarevet

Mögliche Probleme bei der BARF-Fütterung


Hunde und Katzen in unserem Patientengut werden zum grössten Teil mit einem spezifischen Fertigfutter (trocken oder feucht) gefüttert. Der Einsatz von industriell hergestelltem Futter ist einfach, wenig zeitaufwendig und garantiert in aller Regel, dass die Nahrung ausgewogen ist und korrekte, altersangepasste Mengen an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen enthält. Die Futtermittelherstellung ist heute ein umsatzstarker Industriezweig, welcher eine Fülle von Bedürfnissen abdeckt (von Diäten für bestimmte Krankheiten über rassespezifische Futter bis zu Nahrung aus selektionierten Rohstoffen aus biologischem Anbau und nachhaltigen Quellen). Vor rund 20 Jahren wurde die Fütterungsphilosophie BARF entwickelt, welche v.A. Hunde naturnaher und den Fressgewohnheiten des Wolfes entsprechend zu ernähren versucht. Der Name leitete sich initial von "Born-Again Raw Feeders" ab, später wurde er zu "Bones and Raw Foods" und "Biologically Appropriate Raw Food" oder "Biologische Artgerechte RohFütterung" umgedeutet.

Die BARF-Fütterung bedingt einen recht grossen Aufwand und idealerweise eine professionelle Beratung des Hundebesitzers durch eine Fachperson, um eine ausgewogene Fütterung mit korrekter Vitamin- und Spurenelementversorgung zu gewährleisten.

Eine aktuelle Studie aus Holland (Vet Rec. 2018 Jan 13;182(2):50) macht auf eine weitere Problematik aufmerksam, welche im Alltag zweifellos unterschätzt wird: Die Kontamination der (meist tiefgefroreren) Futtermittel mit gesundheitsgefährdenden Erregern. Während bei der Herstellung von Fertigfuttern die Rohstoffe durch Erhitzung sterilisiert werden, können über die Rohfütterung beunruhigend hohe Mengen an Krankheitserregern eingeschleppt werden, welche einerseits den Hund und andererseits durch den engen Kontakt mit dem Haustier auch den/die Besitzer/in gefährden können. Die Studie analysierte 35 Futter von 8 Anbietern und fand in 80% der Fälle ESBL (E.Coli-Darmbakterien, welche gegen multiple Antibiotika resistent sind), Listerien in etwa 50% der Fälle (dieses Bakterium kann beim Menschen zu Fehlgeburten und bei schwachem Immunsystem schlimmstenfalls zum Tod führen), Salmonellen in 20% der Futter sowie Sarkosporidien (ein einzelliger Parasit, welcher beim Menschen Magen-Darm-Beschwerden auslöst) in einem Fünftel der Futtermittel. Ein etwas allgemeinverständlicherer Beitrag über diese Studie ist auf der Website des englischen Tageszeitung "The Telegraph" einsehbar.

Offen bleibt, ob die Untersuchung z.B. auch für in der Schweiz erhältliche Futtermittel Gültigkeit hat und wie hoch das Risiko für die Besitzerschaft ist, sich über ihr Haustier mit einem solchen Keim anzustecken. Eine allgemeine Vorsicht beim Umgang mit rohen Futtermitteln ist aber mit Sicherheit angebracht. Die Verwendung von Rohstoffen, welche auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind, ist anzustreben - garantiert aber mangels Erhitzung nicht für eine Elimination des Problems: 2014 wurden zB bei 66% der Schweizer-Pouletfleischproben sowie 86% der EU-Pouletfleischproben ESBL festgestellt.

Eine sehr gute Übersichtsarbeit zum Thema Vor-  und Nachteile von BARF beim Hund findet sich hier.