Weiterer Verlauf
Bei der Kontrolluntersuchung nach 5 Tagen ist der Abszess nicht verheilt. Zusätzlich hat sich auf der Oberseite der Mittelhandknochen eine leichte Schwellung gebildet. Bei Kompression dieser Schwellung tritt schleimiges Sekret aus der Abszessöffnung aus: Eine Fistel (unnatürliche, bleibende Verbindung zur Körperoberfläche) ist entstanden. Die ausbleibende Heilung und neu entstandene Schwellung weckt den Verdacht, dass ein Fremdkörper in der Wunde vorhanden ist. Das Antibiotikum wird abgesetzt, um die Sekret- und Eiterbildung zu fördern und so möglicherweise ein „Ausschwemmen“ des Fremdkörpers zu ermöglichen; zusätzlich wird die Haut mit Zugsalbe versehen. Aber auch diese Behandlung bewirkt keine Besserung der Situation, worauf das Problem chirurgisch angegangen wird:
In Vollnarkose wird, ausgehend vom ursprünglichen Zwischenzehenabszess, ein Hautschnitt bis in die Schwellung im Bereich der Mittelhand geführt. Mit einer Sonde kann der Fistelkanal dargestellt und sorgfältig freipräpariert werden. Da die Wunde stark blutet, werden mit dem Elektrokauter mehrere kleine Blutgefässchen verödet, um einen besseren Überblick zu schaffen. Anschliessend wird der Fistelkanal genau inspiziert – und tatsächlich ist etwa 5 cm proximal (körperwärts) des Zwischenzehenabszesses in der Region der Mittelhand eine Pflanzenrispe von etwa 1.5 cm Länge zu finden! Mit ihren rückwärts gerichteten, faserigen Fortsätzen und Widerhäkchen hat sich der Fremkörper wie ein Pfeil allmählich im Unterhautgewebe aufwärts gearbeitet und liegt mittlerweile weit vom Eintrittspunkt entfernt zwischen den Mittelhandknochen.
Der Fistelkanal wird ausgekratzt, um Totgewebe und Bakterien zu entfernen, gespült und die Abszess-Wundränder aufgefrischt; danach wird die Wunde genäht. Sie heilt in der Folge unter Antibiotikumtherapie problemlos ab.